Interview mit dem Wiesbadener Wissenschaftsautor Ernst Probst, der mehr als 25 Bücher schrieb. Unter anderem veröffentlichte er die Titel „Deutschland in der Urzeit“, „Deutschland in der Steinzeit“, „Deutschland in der Bronzezeit“, „Rekorde der Urzeit“, „Dinosaurier in Deutschland“ (zusammen mit Raymund Windolf), „Monstern auf der Spur“ und „Nessie“.
medien-news: Welches Ihrer Bücher war am erfolgreichsten?
Probst: Mein erstes Buch „Deutschland in der Urzeit“ (1986) schaffte trotz zeitweise sehr hoher Ladenpreise von 168 und 198 DM fünf Auflagen. Es wurde sehr wohlwollend auf zwei Seiten im „Spiegel“ besprochen.
medien-news: Welche Erfahrungen machten Sie mit Kritikern?
Probst: Erstaunliche viele Kritiker bei Regional- und Lokalzeitungen sind nicht zu einer eigenen Meinung fähig. Sie müssen erst im „Spiegel“, in der „Süddeutschen Zeitung“, der „F.A.Z.“, „Welt“, „Zeit“ oder bei einer Nachrichtenagentur wie dpa, AP, Reuters, ddp, kna oder epd eine Rezension lesen, bevor sie selbst einen Titel zwecks Rezension beim Verlag oder Autor anfordern. Als ich ab 1971 in der Politikredaktion einer bayerischen Tageszeitung arbeitete, konnte mein damaliger Chefredakteur immer erst dann seinen Leitartikel zu Papier bringen, wenn er den Kommentar der „Süddeutsche Zeitung“ zu einem bestimmten Thema sorgfältig gelesen hatte.
medien-news: Wie reagierten die Medien auf Ihre Werke?
Probst: Der Prophet gilt bekanntlich in seiner Heimatregion nicht viel. Je weiter die Medien von meinem Wohnort entfernt sind, um so mehr berichteten sie über mich. Ein Beispiel: Das Zweite Deutsche Fernsehen nahe meines Wohnortes hat noch nie auch nur einen Satz über mich verloren. Ähnlich ergeht es mir seit 2001 als Buchverleger: Die an meinem Wohnort erscheinenden Tageszeitungen schweigen mich regelrecht tot. Andererseits kam eine Redakteurin der "Süddeutschen Zeitung" aus München zu mir nach Mainz-Kostheim und interviewte mich lange.
medien-news: Wie reagierte Ihre Umwelt auf Ihre Bücher?
Probst: Verwandte, Freunde, Bekannte und Kollegen benahmen sich teilweise sehr seltsam. Neid und Missgunst brachten Reaktionen hervor, mit denen ich nie gerechnet hätte. Besonders nette Erfahrungen machte ich dagegen mit Setzern und Sekretärinnen einer Zeitung, für die ich früher als Redakteur gearbeitet habe: Sie erwarben jedes meiner Werke.
medien-news: Was erlebten Sie mit Wissenschaftlern, die Sie bei den Recherchen für Ihre populärwissenschaftlichen Werke konsultierten?
Probst: Viele Wissenschaftler waren sehr hilfsbereit, wie aus den umfangreichen Danksagungen in meinen Büchern über die Urzeit, Steinzeit und Bronzezeit hervorgeht, wo jeweils Hunderte von Koryphäen aus ganz Europa erwähnt sind. Nicht wenige renommierte Forscher waren des Lobes voll nach dem Erscheinen. Für einen Preis, eine Ehrung oder einen Ehrendoktortitel für mich hat es allerdings nicht gereicht. Da würde wohl mancher Gelehrte sagen: Wofür denn?
medien-news: Wie verlief Ihre Zusammenarbeit mit dem Verlag?
Probst: Einerseits gab man mir als unbekanntem Autor die Chance, das erste populärwissenschaftliche Werk über die Erdgeschichte Deutschlands zu veröffentlichen. Anderseits hat man mich sehr schnell fallen lassen, als es mal bei der Nachfrage nicht so gut lief. Bei meinem fünften Buch „Deutschland in der Bronzezeit“ (1996) hatte die Presseabteilung des Verlages die aberwitzige Idee, Rezensenten sollten die Hälfte des hohen Verkaufspreises von 198 DM für das gewünschte Besprechungsexemplar bezahlen. Damals habe ich mich „innerlich von diesem Verlag verabschiedet“.
medien-news: Welches Ihrer Bücher hatte am wenigsten Erfolg?
Probst: „Dinosaurier in Deutschland“ (1993) war ein Flop. Damals faszinierte der Film „Jurassic Park“ die Dinosaurierfans und viele Verlage brachten Bücher über Dinosaurier heraus. Dagegen zauderte der Verlag, in dem das Buch von mir und Raymund Windolf erscheinen sollte, zu lange. Als „Dinosaurier in Deutschland“ endlich in die Buchläden kam, türmten sich dort schon wochenlang andere Dinosaurierbücher auf und die Interessenten hatten sich entsprechend eingedeckt. Zu meinem Leidwesen hat der Verlag zudem in letzter Minute entschieden, auf dem Buchtitel meinen Namen zuerst zu erwähnen, obwohl Raymund Windolf die Hauptarbeit geleistet hatte.


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